InDesign ist ein Layoutprogramm, mit dem viele Redaktionen ihre Magazine gestalten. Dass man mit Adobes Layoutprogramm seit der Version CS 5.5 auch iPad-Magazine erstellen kann, wissen nur wenige, dabei ist die Idee sehr interessant: So lässt sich ein Printmagazin mit demselben Programm als iPad-Version ausspielen.
In diesem Semester testen wir das neue InDesign-Feature und bauen unsere eigene App. Die Basics, also Texte einfügen, formatieren und bebildern, funktionieren genauso wie für ein Print-Produkt. Abgesehen vom ungewöhnlichen Seitenverhältnis könnte man Print-Magazine, die nur aus Texten und Bildern bestehen also ziemlich problemlos für iPads aufbereiten. Aber wenn man die Möglichkeiten ausnutzen will, die ein digitales Magazin bietet, wird es aufwändig:
1. iPads werden im Breit- und im Hochformat gelesen. In der App der Frankfurter Rundschau wird diese Funktion so genutzt, dass das Hochformat einen nüchternen Lesemodus bietet, während im Breitformat alle Zusatzinhalte direkt neben dem Text angezeigt werden. Wer ein iPad-Magazin mit InDesign gestaltet, muss alle Seiten im Breit- und Hochformat gestalten, wenn er diese Funktion anbieten will. Leider kann man nicht einzelne Seiten in beiden Formaten anbieten, sondern entweder alle, oder keine. Um den Aufwand überschaubar zu halten, haben wir uns entschieden, vorerst nur das Breitformat zu nutzen.
2. Das entsprechende Material vorausgesetzt, lassen sich Diashows, Panoramabilder, 360°-Ansichten, Zoom-Effekt, Videos und Audios leicht einbinden. Das Problem dabei ist die Programmierung der interaktiven Elemente. Immer wieder kommt es vor, dass die Schaltflächen in der InDesign-Vorschau wunderbar reagieren, auf dem iPad aber nicht. Eine Herausforderung ist auch die Gestaltung der Navigationselemente. Mit seinem Finger drückt der User nicht so genau auf die Buttons wie er das mit dem Mauszeiger auf einer Website macht. Die Folge daraus ist, dass die Schaltflächen größer sein müssen.
3. Für jeden Artikel legt man ein eigenes InDesign-Dokument an und lädt dieses dann mit dem Folio-Builder-Plugin auf einen Server von Adobe hoch. Um sich Änderungen an einzelnen „Seiten“ auf dem iPad ansehen zu können, muss man die aktuelle Version des Dokuments hochladen und dann am iPad das Magazin aktualisieren. Leider dauert das Up-und Downloaden oft unerklärlich lange und wenn die Datenmengen aufgrund audiovisueller Inhalte wachsen, werden die Wartezeiten unglaublich nervig. Die hochgeladenen Seiten lassen sich nur bearbeiten, wenn man das jeweilige InDesign-Dokument auf dem eigenen Rechner hat. Weil wir zu dritt an verschiedenen Orten an den Seiten arbeiten wollten und auf Elemente wie Logo und Navigationsbuttons regelmäßig zugreifen müssen, haben wir alle Produktionsdateien in eine Dropbox gelegt. Diese Kombination aus InDesign und Dropbox hat sich sehr bewährt.
4. Wenn das Magazin fertig ist, muss es in Apples Appstore. So weit sind wir noch nicht. Aber schon jetzt ist klar, dass der Weg in den Appstore nicht leicht ist: InDesign gibt nämlich am Ende kein Programm aus, das man in den Appstore einstellen kann. Das Ergebnis ist eine Art multimediales pdf, „.folio“ genannt und diese Datei muss weiterhin auf einem Adobeserver liegen. Diesen Service lässt man sich natürlich bezahlen: 436,65€ pro Monat! Der Preis für einmalige Veröffentlichungen steht für den deutschen Markt noch nicht fest.
Wenn man bedenkt, dass bis vor kurzem nur Programmierer in der Lage waren, Inhalte in Form einer App auf iPads auszuspielen, ist es toll, dass wir das mit InDesign jetzt auch ohne Programmierkenntnisse können. Mit Zeit und etwas Kreativität kann man mit dieser Lösung ein iPad-Magazin erstellen, das den Angeboten großer Verlage sehr nahe kommt. Die Grenzen stehen allerdings fest: Rechnen kann sich eine mit InDesign erstellte App nicht. Spiele, Zugriff auf die iPad-Kamera oder andere programmierte Inhalte lassen sich höchstens per iframe als Web-Inhalt einbinden.
Allgemein kann man sich natürlich fragen, ob es nicht sinnvoller ist eine Website mit kostenlosen Tools und offenen Standards wie HTML5, PHP und JavaScript zu erstellen und für die Anzeige auf dem iPad zu optimieren.
Thomas Strothjohann